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IIIF: Gekommen um zu bleiben?

Nachlese zu: Johannes Baiter: Offene und entwicklerfreundliche APIs für digitales Kulturerbe, Oder: von bibliothekarischen Standards zu Web-Standards (06.04.2018, BBAW)

Letzten Freitag hatte das sehr lobenswerte “DH-Kolloqium” Johannes Baiter von der Bayerischen Staatsbibliothek zu Gast, der die zahlreich erschienenen Interessenten über die Möglichkeiten von IIIF, einem in der letzten Zeit immer mehr im Interesse stehendem offenen Standard für die Präsentation digitaler Kulturdaten, einweihte. Auf die Gefahr hin, mich in mir fremden Fahrwassern zu verfahren, ein Versuch, die wichtigsten Punkte des Vortrags zusammenzufassen. Für technische Details verweise ich mit Nachdruck auf die Folien von Johannes Baiters (Link am Ende der Seite).

Johannes Baiter schilderte zunächst die Ausgangslage: die Viewer-Landschaft für Digitalisate ist inzwischen sehr verwirrend, jeder kocht sein eigenes Süppchen, baut digitale Silos und die Nutzenden müssen sich ständig in neue nicht miteinander operable Systeme einarbeiten. Hier genau setzt IIIF (International Image Interoperability Framework) an. Wer sich schon immer gefragt hat, wie man das wohl ausspricht: Triple-I-F, ist die Lösung, ob man das dann Englisch oder Deutsch ausführt, scheint, wie auch bei TEI, dem eigenen Geschmack überlassen zu sein.

IIIF hat seine Ursprünge im bibliothekarischen Kontext (Zusammenarbeit von u.a. British Library, Stanford, Oxford, BNF) und ist ein Versuch, der sehr komplexen deskriptiven Semantik von METS/MODS (das versucht alle Informationen zu einem digitalen Objekt abzubilden), eine Art „light weight“ Präsentations-Semantik (die nur die minimal für die Präsentation notwendigen Metadaten ausliefert) entgegenzusetzen: das so genannte IIIF-Manifest. Johannes Baiter fasste zusammen, dass sich die IIIF-Community sich vor allem die Maximen Offene Standards, Nutzerfreundlichkeit und Entwicklerfreundlichkeit (Linked Open Data Usable) auf die Fahne geschrieben hat .

Anschließend präsentierte Johannes Baiter einige interessante Praxisbeispiele anhand des Viewers Mirador (sehr schön war übrigens der in die Präsentation eingebaute illustrative Screencast). So kann man sich nicht nur verschiedene Handschriften sehr einfach gleichzeitig anzeigen lassen und annotieren, sondern auch verteilte Handschriften virtuell rekonstruieren, zum Beispiel ausgeschnittene Miniaturen wieder in die „Löcher“ einfügen. Das sind natürlich Möglichkeiten, die zum Beispiel für alle mit historischen Handschriften und Büchern Forschenden nicht nur eine Arbeitserleichterung darstellen, sondern auch spannende neue Präsentationsmöglichkeiten und Herangehensweisen an Forschungsfragen eröffnen, genau wie die geplante Erweiterung um 3D-Support.

Nun ist nicht alles rosig im IIIF-Land. IIIF ist ein recht junger, voll in der Entwicklung begriffener Standard (seit 2011), der demensprechend auch einige Kinderkrankheiten hat. Besonders problematisch an dem sehr minimalistischen Metadaten-„Paketen“ von IIIF ist die Frage der Discovery: Wie finde ich eigentlich IIIF-Manifeste (um meinen Viewer zu „füttern“). In der Diskussion würde festgestellt, dass dieses Problem zwar erkannt ist, aber sich bisher noch niemand an diese „Büchse der Pandora“, so O-Ton Baiter, herangewagt hat. Es wird jedoch nicht mehr lange möglich sein, dieser Frage aus dem Weg zu gehen. Eine Discovery-App scheint für Herbst 2018 vorgesehen und im Zuge der IIF-Entwicklungen scheint auch JPEG 2000 als offenen Standard wieder neues Leben eingehaucht zu werden.

Eine weitere Baustelle sind die IIIF-Viewer (wie Mirador oder Universal-Viewer), die schlichtweg auf Grund von fehlenden Frontend-Entwickler-Ressourcen noch lange nicht ihre Potential an Möglichkeiten und Benutzerfreundlichkeit ausschöpfen. So richtig eignen sie sich momentan noch nicht wirklich zum Lesen von Handschriften. Auch die Annotationsfunktionalitäten, insbesondere die Nachhaltigkeit, bzw. der Austausch von Annotationen scheinen noch in den Kinderschuhen zu stecken. Noch annotiert jeder (idiosynkratrisch) für sich selbst.

Es war ein ziemlich technischer Vortrag, der Nicht-Entwicklern einige Gedankensprünge abverlangte, dafür aber einen sehr interessanten Einblick in das momentan sehr en vogue IIIF bot, bei dem sich, wie bei allen Standards die Frage stellt, ist er gekommen, um zu bleiben (in Anwandlung an Wir sind Helden „Gekommen um zu bleiben“)? Hier wird die Community entscheiden, sowohl von Entwicklerseite, als auch aus fachwissenschaftlicher Sicht.

Die Folien des Vortrags hat Johannes Baiter auf GitHub hinterlegt. Das ist natürlich sehr lobenswert, war für mich als Nicht-GitHub Userin jedoch eine Herausforderung. Auf den ersten Blick ist es nämlich nicht besonders eindeutig, wie man sich die Folien anzeigen kann. Irgendwie ist es mir dann doch gelungen, eine Anzeige zu bewerkstelligen. Es zeigt sich immer wieder, der Mensch lernt mit seinen Aufgaben…!

Die Ankündigung und mehr Informationen zum Referenten sind auf der Webseite des ifDHb zu finden (wie auch die Termine weiterer DH-Kolloquien und was sonst so alles im Raum Berlin spannendes im Bereich DH passiert).

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IIIF Logo

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