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Was bedeutet Offene Wissenschaft (#openscience) für Sie?

Offene Wissenschaft – Open Science – Open Scholarship sind aus dem gegenwärtigem wissenschaftlichen Metadiskurs nicht mehr wegzudenken. Spätestens seit der Bekanntmachung von Open Science als einer der Hauptsäulen des nächsten EU Forschungsförderprogramm Horizon Europe, ist es deutlich, welche Rolle Open Science seitens der Wissenschaftspolitik beigemessen wird. Gleichzeitig erfordert der Schritt zu Open Science eine grundlegende Transformation des Wissenschaftsprozesses und des Diskurses über Wissenschaft und ist es nicht zu verleugnen, dass zwischen Ideal und Wirklichkeit eine Kluft besteht, die je nach Disziplin und Land unterschiedlich groß ist.

Open Science fängt bei jeder/m einzelnen Wissenschaftler*in an. Nur wenn offene wissenschaftliche Praktiken aus der Community heraus getragen werden, haben sie eine Chance, ein intrinsischer Bestandteil des Forschungsalltags und des Wissenschaftssystems zu werden. Daher ist es einerseits wichtig, Open Science und seine Bedeutung zu thematisieren sowie welche praktischen Möglichkeiten zur Öffnung wissenschaftlicher Praktiken bestehen, andererseits ist es notwendig, den Dialog darüber zu suchen, welche Potentiale und Risiken aus Sicht der Forschenden bestehen.

Wissenschaftliche Revolutionen brauchen ihre Zeit. Auch wenn heute keiner mehr befürchten muss, vor der Inquisition oder dem Scheiterhaufen zu landen, wie Galileo Galilei oder Giordano Bruno, fragen sich viele Nachwuchswissenschaftler*innen, welche Auswirkungen es auf ihre Karriere hat, wenn sie Open Science in einem System praktizieren, das stark von alten Paradigmen geprägt ist und wenige Incentives für offene Wissenschaft zu bieten scheint. Eine besonders wichtige Zielgruppe für Open Science Trainings und Gesprächsrunden sind daher Nachwuchswissenschaftler*innen, da diese sich unmittelbar im Spannungsfeld zwischen althergebrachten Methoden und Praktiken und den neuen Anforderungen und Idealen befinden.

Deshalb habe ich mich sehr darüber gefreut, im Rahmen der Serie „Uni Potsdam Career Talks“ der Uni Potsdam Graduate School am 19.07.2018 einen Impulsvortrag zum Thema der Universität Potsdam zu geben und danach in einer Paneldiskussion zusammen mit Niklas Hartman von der Universitätsbibliothek Potsdam (Fachreferent für Naturwissenschaften und Koordinator Forschungsdaten) Caroline Fischer (Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Public und Nonprofit Management) und dem Publikum Rede und Antwort zu stehen.

Der Titel des Impulsvortrags „Was bedeutet Offene Wissenschaft für Sie?“, war bewusst zweideutig gewählt, denn für jeden ist Open Science ein wenig anders, und zum anderen kann Open Science tatsächlich etwas für die Karriere von Wissenschaftler*innen bedeuten, und zwar etwas positives. So kann die bessere Dokumentation des Forschungsprozess dazu führen, ein/e besserer Wissenschaftler*in zu werden, schützt eine höhere Kompetenz bezüglich Forschungsdatenmanagement vor Datenverlust und führen Open Access-Publikationen dazu, dass die Forschung besser sichtbar ist und unmittelbar rezipiert und nachgenutzt werden kann.

Folien des Impulsvortrags (Was ist Open Science, Warum ist dieses Thema wichtig? Herausforderungen und Barrieren, Best Practice-Beispiele zur offenen Gestaltung der eigenen Forschungspraxis und vielen weiterführenden Links):

Die Podiumsdiskussion drehte sich hauptsächlich um praktische Fragen, wie zum Beispiel zum Urheberrecht, sowie die Steine, die das akademische Bewertungssystem dem Praktizieren von Offener Wissenschaft in den Weg legt. Nehmen wir zum Beispiel Open Access-Publizieren. Da in vielen Disziplinen noch immer die Macht des Impact Factors ungebrochen ist und nur wenige Open Access-Zeitschriften mit einem hohen Impact Factor existieren bzw. die Article Processing Charges der inzwischen Open Access als lukrative zusätzliche Einnahmequelle für sich vereinbarenden kommerziellen Big Player astronomisch sind (auch wenn es viele kostenlose bzw. günstige Open Access-Zeitschriften gibt, kann hier eine Lösung sein, zusätzliche legale Wege der Zweitveröffentlichung als Green Open Access in Anspruch zu nehmen und hierfür konkret mit den jeweiligen Herausgebern zu verhandeln. Oft ist mehr möglich als man zunächst denkt.

Für konkrete Fragen zu Open Access und Open Science stehen für Wissenschaftler*innen oftmals Ansprechpartner*innen an den Institutionen bzw. Universitätsbibliotheken zur Verfügung (zum Beispiel Mitarbeiter*innen von Universitätsverlagen, Fach- und Forschungsdatenreferenten sowie Spezialist*innen für Elektronisches Publizieren). Die Podiumsdiskussion zeigte jedoch auch, dass zur höheren Umsetzung von Open Access und der weiterführenden Öffnung wissenschaftlicher Prozesse im Sinne von Open Science nicht nur geeignete Methoden und Services gehören, sondern dass auch das akademische Bewertungssystem reformiert werden muss, um Anreize für eine Kultur des Teilens und der Zusammenarbeit zu bieten. Dazu gehört unter anderem, dass zum Beispiel Datenpublikationen mit dem dazugehörigen Mehraufwand für Dokumentation etc. oder die bewusste Wahl für Open Access-Publikationskanäle in Einstellungs- und Berufungsverfahren honoriert werden. Nur so werden wir erreichen, dass zukünftig Wissenschaft Offen (by default) sein wird und wir dann wieder nur noch über Wissenschaft sprechen werden.

Was denken Sie? Was sind Ihre Erfahrungen, Hinweise, Best Practice Beispiele? Ich freue mich über einen Austausch, z.B. über das Kommentarfeld unten!

 

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Source Picture: https://zenodo.org/record/1285575#.W09yZH59jOR (Melanie Imming, John Tennant, CC0)

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