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“DH ist kein Ponyhof”: Erfahrungen vom Super-Experiment #twitter101dh bei der vDHd2021

Zitierempfehlung: Ulrike Wuttke, “DH ist kein Ponyhof”: Erfahrungen vom Super-Experiment #twitter101dh bei der vDHd2021, Blogpost, 12.04.2021, CC BY 4.0, Link: https://ulrikewuttke.wordpress.com/2021/04/10/dh-ist-kein-ponyhof/

Die erste Eventwoche der vDHD2021 ist vorbei und damit auch die vier Datensalons von des “#twitter101dh: Superexperiment zu Twitter, Bibliotheken und COVID-19”. In diesem Blogpost möchte ich ein wenig über unsere Erfahrungen berichten.

In der Einreichung und Ankündigung des Super-Experiments haben wir, d. h. das Organisationsteam (Daniel Brenn, Lisa Kolodzi, Mareike König und ich) von einem “Twitter-Labor” gesprochen, in dem wir verschiedene Experimente rund um Twitterdaten durchführen wollen. Im Mittelpunkt sollte eine ergebnisoffene Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Analyse von Twitterdaten sowie die ersten Schritte der praktischen Durchführung stehen, ganz im Sinne des Mottos der vDHD2021 “Experimente”.

Wir waren sehr froh, dafür mit Paul Ramisch und Sophie Schneider zwei erfahrene Tool- und Datenbuddies gewonnen zu haben, die uns auf unserem Weg begleiten wollten. Außerdem hatten wir über Twitter noch weitere Teilnehmer*innen gesucht, eine kleine Webseite mit Github-Repo und einen Discord-Kanal für die Kommunikation erstellt und so konnte das Experiment losgehen.

In insgesamt vier Datensalons widmeten wir uns unterschiedlichen Aspekten der Analyse von Twitterdaten, vom Tweet-Scraping und ersten Analysen mit R (1. Datensalon mit Paul Ramisch), über die Entwicklung von Forschungsfragen (2. Datensalon mit Mareike König), bis zur Netzwerkanalyse mit Gephi (3. Datensalon mit Sophie Schneider). Für die ersten Schritte mit R und Gephi haben Paul Ramisch und Sophie Schneider jeweils fantastische Tutorials und Ressourcen zur Verfügung gestellt, die über die Webseite zur Nachnutzung zur Verfügung stehen. Danke!

Wir hatten uns als Fokus die Analyse von Twitterdaten zum Thema COVID-19 und Bibliotheken genommen, um anhand dieses Use Cases das Werkzeug für die selbstständige Analyse von Twitterdaten zu lernen. Was haben wir nun in den vier Datensalons gelernt? Darüber haben wir sehr ausführlich im 4. Datensalon reflektiert. Hier kann ich natürlich nur für mich sprechen, aber denke, dass es einigen der Teilnehmer*innen durchaus ähnlich gegangen ist, wie die Diskussion zeigte.

Zunächst war es eine tolle Erfahrung zusammen mit dieser Gruppe zu experimentieren und unseren beiden Daten- und Toolbuddies Fragen zu praktischen und theoretischen Aspekten zu stellen. Denn gerade das Erlernen des Umgangs mit Tools hat eine hohe Lernkurve und manche kleine Probleme stellen Newbies vor große Herausforderungen. Dabei ging es nicht nur um praktische Hürden, wie z. B. die komische Fehlermeldung in RStudio, die ich erst beheben konnte, nachdem ich eine Weile gegoogelt habe (denn Paul sagte: beim Coden ist Google unser bester Freund), es stellte sich heraus, dass ich auf meinem neuen Computer R noch nicht installiert hatte (phu!). Es ging auch um Metathemen wie Daten- und Tool-Literacy. Was sind Twitterdaten eigentlich, was können sie uns sagen und was nicht, wie interpretiere und überprüfe ich die Ergebnisse? Welche Fragen kann ich mit Hilfe quantitativer Statistik beantworten, welche Rolle spielen qualitative Analysen und wo setzt die Interpretation an? Vor allem zu den Möglichkeiten und Herausforderungen der Netzwerkanalyse mit Gephi hatten wir mit Sophie Schneider eine sehr angeregte Diskussion. Denn ohne tiefgehendes Verständnis der unterliegenden Konzepte der Netzwerkanalyse und der Parameter ist es zwar sehr spannend mit Gephi zu experimentieren, aber das Tool und die Ergebnisse sind eigentlich eine Black Box. Besonders spannend fand ich es auch, dass wir als Daten- und Toolbuddies zwei Studierende gewinnen konnten, was wieder zeigt, dass jede*r ein*e Expert*in sein kann!

Ich habe mich dann für meinen praktischen Teil auf R konzentriert und einige erste Analysen zum Thema des Superexperiments, der Twitterkommunikation von Bibliotheken zu COVID-19, durchgeführt, dazu hoffentlich an anderer Stelle mehr. Ich habe dafür nicht nur die Twitterdaten analysiert, sondern auch versucht, jeden Schritt ausführlich zu dokumentieren. Und das kostet wirklich viel Zeit (hallo Ressourcenplanung für das Datenmanagement)! Schon alleine deswegen sollte meiner Meinung nach eigentlich jeder einmal ein wenig coden und dokumentieren, der*die auch nur ansatzweise mit solchen Themen in Berührung kommt (oder gar Aufwände abschätzen oder absegnen soll), oder jemanden fragen, der*die sich da aus der Praxis auskennt.

Paul Ramisch hatte uns gleich am Anfang seines Tutorials gesagt, dass er mit uns mit  dem Konzept der permanenten Überforderung arbeiten wird, d. h. dass wir erst einmal ein paar Dinge mit R machen werden, die wir vielleicht noch nicht vollständig nachvollziehen können, das käme dann später. Und das war auch für mich eine zentrale Erkenntnis: Alles braucht seine Zeit. Das wir in vier Sitzungen umfassend R und Gephi lernen werden, war doch etwas optimistisch gedacht. Was wir erreicht haben und das ist eigentlich viel wichtiger, ist eine kritische Auseinandersetzung mit diesen beiden Tools anhand der praktischen Anwendung und ein tieferes Verständnis für die mit ihrem sicheren Einsatz verbundene Deep-Learning-Curve. Der wissenschaftlich fundierte Einsatz von Digital Humanities-Methoden und -Tools bedeutet mehr als nur auf irgendwelche Knöpfchen von Tools zu drücken (nicht das ich das jemals behauptet hätte, aber daher auch der ironische Titel dieses Blogposts), sondern erfordert umfassende Daten-, Code- und Tool-Literacy (Digital Literacy) und theoretische Reflexionen, beides Themen, die in letzter Zeit zu Recht im Fokus stehen.

Franz & P, Das Leben ist kein Ponyhof, St. Oberholz, Berlin, Flickr, CC BY-NC-SA 2.0

Noch mehr zu #twitter101dh gibt es im Blogpost von Sophie Schneider “#vdhd2021 – Erste Eventtage”. Wer Twitteranalysen in Python durchführen will, auch hierzu hat Sophie Schneider ein Tutorial geschrieben. Weitere Links zu Tutorials und Ressourcen finden sich auf den Seiten der Datensalons. Einige spannende Gedanken in diesem Zusammenhang sind auch in Markus Krajewskis Artikel “Hilfe für die digitale Hilfswissenschaft: Eine Positionsbestimmung.” in der Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung 10: 1 (2019), S. 71–80 zu finden [Link zum PDF].

Über weitere Hinweise zu Twitterdaten-Tutorials zu R, aber auch daraus entstandene Studien freue ich mich über die Kommentare, Twitter oder andere Kanäle!

Concrete Steps towards FAIR Data in the Arts and Humanities: Recap from Open Science Barcamp 2020

Cite as: Ulrike Wuttke, Concrete Steps towards FAIR Data in the Arts and Humanities: Recap from Open Science Barcamp 2020, Blogpost, 05.10.2020, CC BY 4.0. Link: https://ulrikewuttke.wordpress.com/?p=1830

Resources:

On the 10th March 2020, the Barcamp Open Science, organized by the Leibniz Research Alliance Open Science took place at Berlin. Around 50 very diverse individuals came together at the facilities of Wikimedia Germany at Berlin to discuss urgent matters in Open Science from various perspectives. This year’s Barcamp was already overshadowed by the outbreak of the Covid-19 pandemic, that’s why there were much less participants than the previous years and strong hygienic measures had been taken. Only a few days after, our world as such was changed forever. This is also one of the reasons why it took me quite long to finally publish this blog post. But here it is, with huge thanks to Erzébeth Tóth-Czifra for her comments on an earlier draft of this post.

Source: https://www.open-science-conference.eu/wp-content/uploads/2020/03/200310-open-science-barcamp-UC1A5768.jpg, All photos are also published at Wiki Commons under a CC BY 4.0 license.

After the introductory round and the Ignition Talk by Birgit Schmidt from SUB Göttingen, sessions were pitched and organized and the discussions got going! While you can read an overview about the Barcamp in the Blogpost by ZBW Media Talk and listen to summaries of some sessions at Open Science Radio, in this blogpost, you will find a short recap of the session Concrete steps towards FAIR data as prerequisite for Open Scholarship in the Arts and Humanities that I moderated with Erzsébet Tóth-Czifra (DARIAH-EU). 

Last year Erzsébet and I had discussed the state of Open Science in the Arts and Humanities in the session “Loners, Pathfinders, or Explorers? How are the Humanities Progressing in Open Science?” [Read our recap on the GenR Blog Link). Together with the participants we came to the conclusion, that while a lot of progress already has been made, that there was still a lot to do to transform the Humanities towards Open Humanities. 

While discussing Openness in the Humanities was a very intriguing experience, it also became clear that the term Open Humanities is rather unclear. Sometimes it seems like a big bubble and is rather difficult for readers to grasp. 

Open Humanities is, at least in my view, the translation of Open Science principles to the Humanities as the Open Science discussion is rather STEM-dominated. While not sharing all of his views, I warmly suggest to read in this context Marcel Knöchelmann’s article “Open Science in the Humanities, or: Open Humanities?” [Link to the article: http://dx.doi.org/10.3390/publications7040065]. Viewing Open Humanities as Open Science “with a Humanities touch” it also seems obvious  that it may comprise all different shades of Open practices that are cuddled under the Open Science umbrella, like Open Access, Open Source, Open Data, the FAIR Principles, Research Data Management, transparent research workflows, early sharing of outputs, Citizen Science or Open Infrastructures (and this list is not exhaustive…). So Open Humanities are at its heart very colourful, while data sharing is one of its compound principles, it is not exclusive.

For this year’s Open Science Barcamp we decided to focus on one topic that we see as a core component or important policy component for Open Science: the FAIR Data Principles [Link: https://www.go-fair.org/fair-principles/]. In the context of the previous paragraph we also acknowledge that you can do steps in the context of Open Science without FAIR data and also, that you can make steps towards FAIR data without knowing what FAIR is. Though that last is probably becoming more and more difficult, given the recent omnipresence of the FAIR principles.

During the session, more than a dozen researchers from the humanities and beyond energetically and controversially discussed the state of FAIR and Open principles in the Humanities. While some argued that FAIR is not enough and progress is being stalled by missing open licences, others stressed that the nature of some humanities data requires different levels of access that are not Open, but fall under FAIR data (e. g. sensitive data, personal data, data without consent, data without clear copyright). Also, in many cases of Humanities workflows the major obstacle is not so much open vs. closed, but insufficient documentation of access conditions, which is rather a FAIR-related problem (more precisely, related to the A of FAIR).

Participants noticed a tendency that humanities scholars seem to be more in favour of FAIR Data than of Open Data (because of various obstacles that prevent full Open Access to the data as described in the previous paragraph) and also that unfortunately often unclear licence statements can be found. They explained that for software engineering and broader reuse scenarios FAIR data often isn’t enough and that more efforts should be made to think of Open as the default and only restrict access if really necessary in order to let the FAIR principles not become an excuse for not sharing data. “Excuses” for not sharing data are (not specifically for the Humanities) depicted with a little ironic twist in the “Open Data Bingo”, a resource that was pointed out by one of the participants.

Open Data Bingo, Original can be found here (no apparent author, OpenAire?)

During the closing round of the session, some concrete steps were discussed related to overcoming tendencies of finding easy excuses for not sharing data. The most important  point was that the FAIR principles should be propagated as good scientific practice, with Open as the default, but with acknowledgement for valid reasons for not sharing or only granting limited access. This means that legal aspects of (not) data sharing need to be understood better in the community. There are helpful tools, resources and initiatives related to licencing and other legal problems in this context, for example:

To achieve a culture of FAIR data sharing in the Humanities more discipline specific training and training materials were seen as required as well as institutional support for sharing data and data sharing infrastructures. Other points we could only touch upon in our 45 minutes session were the CARE principles and data quality.  

A lasting open transformation requires (not only in the Humanities!) institutional resources (e. g. research data management support, legal counselling, sustainable open infrastructures) and therefore should also be supported by research funders. Research funders and institutions play a crucial role in building the pedagogical curve toward more open licences and overcoming obstacles and restraints towards a culture of sharing, in short we need a “Fellowship of the Data” for Open Access to Research Data in the Humanities. And, to truly create a lasting change, we need the transformation to reach the heart of the humanities community itself. More humanists that understand the need for data-citation, that “Open Science is just good science”, and last but not least that implement digital research practices into their workflows.

Listen here to the Open Science Radio Episode OSR188 about our session (short recap with Konrad Förster, Ulrike, and Erszébeth: http://www.openscienceradio.org/2020/07/05/osr188-fair-data-in-the-arts-and-humanities-oscibar-en/

To sum up and take the discussion to another level: Open Humanities are predominantly digitally empowered humanities. While we cannot bluntly say: “Hey, it’s 2020, wake up and learn coding!”, we should strive to “leave noone behind”. Humanities scholars need to keep up with new developments in the area of digital research practices (RDM, digital publishing, etc.). It seems highly recommendable that Humanists learn at least a little bit of coding to understand its basic underlying principles. While in some near future coding will probably be seen in the Humanities as an additional Scholarly Primitive this does not mean that in future every humanities scholar will need to be a full scale programmer or data wizard, also we would not like to see the concept of research excellence be strongly linked to the scale or level of computational readiness. Digital empowered humanities are to be situated, like the FAIRness of data, on a sliding scale.

Picture: Makaristo, Olympic-flag-Victoria, Link Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Olympic-flag-Victoria.jpg”, Selection, CC0 1.0

There are different tastes of Open Humanities. Everyone can contribute her and his share to it. While we strive for a culture of Open Data Sharing, other aspects of Open Scholarly Communication are as important. I always like to compare it with the spirit of the Olympic Games: Be part of it! 

What are your thoughts? You are welcome to discuss with me on Twitter (@uwuttke) or leave a comment below.

Home (sweet) Home: My “OpenMethods” desk

Cite as: Ulrike Wuttke, Home (sweet) Home: My “OpenMethods” desk, Blogpost, 01.04.2020, CC BY 4.0. Link: https://ulrikewuttke.wordpress.com/2020/04/01/my-openmethods-desk/

This is a special blog post initiated by our brilliant OpenMethods Chief Editor Erzsébet Tóth-Czifra (@etothczifra) who asked all OpenMethods-Editors to write a brief comment about their (work) life during the current COVID-19 (Corona) crisis. So I made myself a cup of tea, put on my favourite singer-songwriter Leonard Cohen and thought about the impact this event. It became probably one of the most personal posts on this blog. If you want to read good stuff about online learning and collaborating try for example searching Twitter for  #twittercampus or #virtualcollaboration

Picture: OpenMethods: Show your desk

While spring is breaking, the world is in a lock-down. In the fierce hands of the dangerous COVID-19 virus and so far the only way we can try to stop its impact is staying away from others as far and much as possible. For some reasons unknown for me this strategy is called social distancing, while what we have to do is physical distancing. Social contacts are still possible, but reduced more or less to call, video calls, social media. Only after a few days at home and lock-down here at Berlin, I deeply miss my family, friends, and colleagues, my choir, my fellow-yogis, going out just for fun.

While musing about things I miss, I do not forget that I am very privileged. I have a nice home, my living room sports a desk and even a real office chair, I have a phone, a computer and wifi to stay connected and can do my work from home. When I go out, only for food, being grateful for all people out there, who keep things going. They definitely should earn much more than clapping. For the rest, I stay home, try to remember myself to do my yoga in my living room with my favourite YouTube-Yoga-Channels. And besides my couch I have “Invisible Women” by Caroline Criado Perez. I really hope to start reading more in it soon.

Leisure: Yoga and Scrabble

So here I am, in my “Home Office”. My employer, the University of Applied Sciences Potsdam (FHP), sent almost everyone to work from home as soon as possible, as a safety measure, and my boss allowed me to stay home for safety reasons even earlier. Since last week, the university is in “emergency mode”, officially closed. But, luckily, that doesn’t mean I am out of work.

Even under these unusual circumstances, of course, my research goes on. I work for the FHP in the project RDMO and as a distributed team we are used to online collaboration, so we are set up for this and nothing really changes. Actually, most of my collaborations are in virtual teams and also many research projects I have contributed before. But face to face meetings are important from time to time, to keep the glue together. Now, many of them have been and will be cancelled or replaced by virtual meetings.

What is harder ist that next week, the students were supposed to return to the university I teach at and new ones to arrive. I was very much looking forward to the courses I am to teach this term. At the moment being, the start of the term has been postponed until 20th of April and then the courses will start online. I am not sure if I will see my students this semester in person this year. This makes me sad and I wonder how this feels for the students.

I will do my best to teach my students online and prepared a Moodle-course for my master course “Research Data Management”, as are so many of us already or preparing to do so, often with a lot of support from our institutions. Where would we be without our eLearning-specialists to guide us? All the teaching staff who now deep-dive into digital tools they had only vaguely heard of? Without the librarians and IT-ers who work hard to give us access? The administrative staff who keeps everything on?

So, on my (virtual) desk is at the moment a lot of material about Research Data Management. Preparing online courses and working in a locked down city, also the importance of unrestricted access becomes more and more an pressing issue. I have been advocating Open Science for a while, now this demand is more urgent and obvious for so many reasons. While I cannot solve problems like people not having access to the internet or suitable devices, one of the basic requirements for more equality in digital research and teaching is more Open Access to articles and books and more OER (Open Educational Resources), Open Data, digital skills, and communication tools we can trust (and pay). I see progress and maybe even a fast-forward of the Open revolution coming, all hands are “on deck” now, and I fear that we go back to business once this crisis is over.

One of the great Open initiatives I am involved in as Deputy Chief Editor is the Digital Humanities metablog OpenMethods, a DARIAH-ERIC initiative. OpenMethods highlights curated Open Access content about Digital Humanities Methods and Tools in many languages. The curation is done by the OpenMethods Editorial Team, a very diverse group of Digital Humanities experts from around the globe. Mostly we meet online, either in a virtual meeting, or reacting to each other’s comments on the nominated posts. Last year, some of us had the chance to come together at DH Utrecht, where we promoted OpenMethods to the community. Some of us met there for the first time!

So, if you come across some great DH stuff, let us know. You can send a link, tweet to us or join us. Learn more about how to help OpenMethods grow by following this link. Spread the word about useful resources in your social networks, make your stuff Open, write a blogpost about what keeps you going, what makes you think, and new skills and perspectives you gained from this experience. I have some things coming to you too in the near future to spread the Open Revolution, like a short annotated list I dubbed “The medievalist essential guide to Open Science (Communication)”.

I truly sense the spirit that we are in this together. I am deeply grateful for my professional network and fellow tweeps (people on twitter) who share tips, ressources, and sometimes silliness. We even created a virtual space on discord for German speaking Digital Humanities. A place to “have a coffee” or an “evening beer”, hangout together and discuss eLearning or professional topics, but also to “gossip in the kitchen”! And I follow a virtual “Thursday night TEI evening class”, an initiative from great folks from the TEI who now live accompany the TEI MOOC. I joined the course especially to finally ask everything about XSLT, I didn’t dare to ask yet!

My kitchen company, I have wild ideas how to animate these cuties for a new episode of the Akademie der Wissensschafe @AKWissensschafe

Did someone just say kitchen? As an extreme coffee addict and collector of DH mugs, I created with Torsten Roeder (@torstenroeder) a little Twitter project dedicated to DH mugs. It’s called DH in a mug and you can find it under @dh_mug #DHinaMug and also #HomeOfficeDH.

Definition of a DH mug: “a DH mug” is a mug with an imprint related to Digital Humanities, a project, an institution, conference, or other nerdy stuff, but any other drinking devices are fine too, if they have a DH imprint. (Don’t get me started though on defining DH!)

So, check out the virtual collection and tweet your #mugshots to @dh_mug: the mug you use now in your HomeOfficeDH or once you are reunited with your favourite mug at your office. Tell a little story about you and your mug, where is it from? What makes it special to you? Like the little “mug story” below:

That’s so far for today. Take care, show care, and stay safe. It’s okay to be scared, it’s okay to be yourself. Be your best whatever that may be be now and be there for others if they need a you.

Maybe this is a chance to grow together virtually closer, but I am really looking forward to the real thing!

What are your thoughts? You are welcome to discuss with me on Twitter (@uwuttke) or leave a comment below.

Herausforderungen für die Open-Access-Transformation in den Geistes- und Sozialwissenschaften

Cite as: Ulrike Wuttke, Herausforderungen für die Open-Access-Transformation in den Geistes- und Sozialwissenschaften, Blogpost, 14.02.2020, CC BY 4.0. Link: https://ulrikewuttke.wordpress.com/2020/02/12/oa-in-den-geistes-und-sozialwissenschaften/

Einleitung

Immer wieder beschäftigt mich das Thema der Öffnung der Geisteswissenschaften, ob in Projekten, Workshops oder Publikationen. Gerne benutze ich in diesem Kontext die Bezeichnung Open Scholarship bzw. Open Humanities, weil der Begriff Open Science teilweise als ausgrenzend gegenüber den Geisteswissenschaften wahrgenommen wird.

Nach einem Blogpost zusammen mit E. Tóth-Czifa mit dem Thema Loners, Pathfinders, or Explorers? How are the Humanities Progressing in Open Science? mit vielen positiven Open Humanities-Beispielen, gebe ich in diesem Blogpost eine kurze Übersicht über sieben Herausforderungen der Open-Access-Transformation in den Geistes- und Sozialwissenschaften.

Meine Annäherung an das Thema erfolgt insbesondere aus der Sicht von wissenschaftlichen Bibliotheken und skizziert einige relevanten Open-Access-Publikationsdienstleistungen, Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen. In der gemeinsamen Betrachtung der Geistes- und Sozialwissenschaften folge ich dem Beispiel wissenschaftspolitischer Diskussionen, in der oft die Kategorie SSH (Social Sciences and Humanities) zu finden ist, ich habe aber auch – trotz aller Kürze – dem Fakt Rechnung getragen, dass beide Disziplinen ihre Eigenheiten aufweisen.

Als Hauptherausforderung für die Open-Access-Transformation in den Geistes- und Sozialwissenschaften sehe ich den Fokus auf klassischen, narrativen Formaten, die in generellen Open-Access-Diskussionen nicht immer genügend Aufmerksamkeit bekommen, aber auch disziplinspezifische Barrieren bezüglich des offenen Zugangs zu Daten und fehlende Annerkennung für Datenpublikationen bzw. alternative Forschungsprodukte. Am Ende sind einige weiterführende für diesen Post verwendete Ressourcen aufgeführt.

Open Access: Vision und Status Quo

2003 wurde in der Berliner Erklärung Open Access zu wissenschaftlichen Publikationen und Forschungsdaten zum Ziel definiert. Wenn wir heute, fast 20 Jahre später, versuchen uns der Frage, wie es um diese aus der Wissenschaft heraus entstandene Bewegung mit der Vision des weltweiten, freien Zugangs zum menschlichen Wissen über das Internet, in den Geistes- und Sozialwissenschaften steht, quantitativ zu nähern, stoßen wir schnell an Grenzen. Aufgrund der Komplexität der Fragestellung liegen momentan kaum umfassende, verlässliche Erhebungen über den OA-Anteil in bestimmten Disziplinen vor.

Open-Access.net Logo (Public Domain), Quelle Wikimedia

2018 wurde geschätzt, dass weltweit erst circa 25% ALLER publizierten Artikel Open Access sind, zu Forschungsdaten liegen keine belastbaren Zahlen vor. Oftmals werden die Geistes- und Sozialwissenschaften als OA-“Nachzügler” bezeichnet und es weisen auch einige quantitative Erhebungen in diese Richtung. Daher ist es berechtigt, die Gründe für den langsamen Fortschritt beziehungsweise spezifische Herausforderungen bezüglich einer umfassenden Open-Access-Transformation in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu hinterfragen, weil sie insbesondere
1) bei wissenschaftspolitischen Diskussionen,
2) im Gespräch mit Wissenschaftler*innen sowie
3) der Konzeption von OA-Dienstleistungen zu bedenken sind.

Die folgende Zusammenschau disziplinspezifischer Herausforderungen soll insbesondere die Gefahr unterstreichen, konkrete Bedarfe der Geistes- und Sozialwissenschaften zu übersehen, wenn der OA-Diskurs zu stark durch die STEM-Fächer dominiert wird, wie z. B. bezüglich der PlanS-Initiative kritisiert. Das nimmt natürlich nicht weg, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften nicht aus in den STEM-Fächern bereits gemachten Erfahrungen lernen können.

Spezifische Herausforderungen der Open-Access-Transformation in den Geistes- und Sozialwissenschaften

Klassische, narrative Publikationen

Herausforderung Nummer 1: Open-Access-Monografien

Weil die Geistes- und Sozialwissenschaften im Gegensatz zu den STEM-Fächern “Buchwissenschaften” sind, stellt die Integration von Open-Access-Büchern (d. h. von Monografien und Sammelbänden) eine großer Herausforderung dar. Handlungsbedarfe bestehen u. a. bezüglich tragfähiger Geschäftsmodelle für Open-Access-Monografien, der Sichtbarkeit von Open-Access-Monografien in lokalen Bibliothekskatalogen und darüber hinaus sowie der Metadatenqualität und -harmonisierung (siehe HIRMEOS).

Herausforderung Nummer 2: Überwindung des Printparadigmas

Die Publikationskultur der Geistes- und Sozialwissenschaften ist noch immer stark durch das Printparadigma geprägt. Die damit verbundenen starken allgemeinen Vorbehalte gegen das elektronische Publizieren im Allgemeinen (Zweifel an der Langzeitarchivierung und -verfügbarkeit) wirken sich auch negativ auf die Akzeptanz von Open Access aus.

Herausforderung Nummer 3: Spezifika des Gratifikationssystems

Zu den Besonderheiten des geistes- und sozialwissenschaftlichen Gratifikationssystems zählt einerseits, dass ausschlaggebende Auswahlfaktoren für Zeitschriften vor allem “weiche” Metriken wie Prestige und Reputation (Renommee!) sind, weniger der (umstrittene) JIF oder andere bibliometrische Metriken wie der h-Index (beide durch Open Access durchaus “boostbar”) bzw. Open Access selbst. Dazu kommen anderseits Vorbehalte gegen die Qualität von Open-Access-Publikationen (die im Zusammenhang mit den Vorbehalten gegen elektronischen Publizieren stehen): selbst dort, wo gleichwertige Review-Verfahren Anwendung finden, gewährleisten diese bislang keineswegs eine gleichwertige Anerkennung.

Herausforderung Nummer 4: Finanzielle Besonderheiten der Forschungskultur

In den Geistes- und Sozialwissenschaften gibt es im Vergleich zu Natur- und Lebenswissenschaften weniger durch Drittmittelgeförderte Projekte. Hierdurch fehlen Wissenschaftler*innen der ersteren Disziplinen Projektmittel um Open-Access-Publikationen in der Form von APCs (Artikel Processing Charges) bzw. noch höheren Beträgen für Open-Access-Monografien in Author-Pays-Modellen zu bestreiten. Zumindest in Deutschland sind hierdurch auch ihre Möglichkeiten eingegrenzt legal das Recht auf Zweitveröffentlichung wahrzunehmen. Außerdem fehlt Fördergebern hierdurch der sanfte “Hebel” Open-Access-Publikationen durch Fördervorgaben zu stimulieren.

Herausforderung Nummer 5: Unsicherheiten im Umgang mit offenen Lizenzen

Der hohe Stellenwert der Integrität der eigenen Publikationen und der allgemein unsichere Umgang mit rechtlichen Rahmenbedingungen führt zu Vorbehalten gegen offene Lizenzen.

Open Data

Open Data, d. h. Open Access zu Forschungsdaten, scheint in den Geistes- und Sozialwissenschaften noch wenig ausgeprägt. Die vielfältigen Gründe, die einer stärkeren Umsetzung des Open-Data-Prinzips in diesen Disziplinen, entgegenstehen, hängen teilweise mit bereits unter der Kategorie “Klassische, narrative Publikationen” zusammen.

Herausforderung Nummer 6: Fehlende Rechte an Forschungsdaten und sensible Forschungsdaten

Auch im Bereich Forschungsdaten stehen rechtliche Unsicherheiten einer umfassenden Open-Access-Transformation im Weg. Insbesondere in den Geisteswissenschaften ist es hinderlich, dass Forschungsdaten oft Digitalisate von Dokumenten der kulturellen Überlieferung aus dem GLAM-Bereich (Galleries, Libraries, Archives, and Museums) sind, die oft nicht unter freien Lizenzen bzw. nur unklaren Bedingungen zur Verfügung stehen. In den Sozialwissenschaften stellt der hohe Anteil besonders schützenswerter, sensibler Forschungsdaten eine Herausforderung dar. Hier bietet der Bezug auf die FAIR-Prinzipien und das Prinzip “so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig”, einen Lösungsweg.

Herausforderung Nummer 7: Mentalitätsfragen

Dazu kommen viele ungelöste Fragen bezüglich der Qualitätssicherung, der Verantwortlichkeiten der Langzeitarchivierung von Forschungsdaten und mit dem Gratifikationssystem zusammenhängende Mentalitätsfragen: Daten zählen in diesen Disziplinen noch nicht wirklich als eigenständige wissenschaftliche Objekte und selbstproduzierte Daten werden zudem stark als Eigentum, als Datenschatz für eigene klassisch, narrative Publikationen betrachtet. Einen Weg zeigt hier z. B. DORA (San Francisco Declaration on Research Assessment) auf, in der “the value and impact of all research outputs (including datasets and software) in addition to research publications” betont wird.

Fazit

Es gibt natürlich weder DIE Geistes- noch DIE Sozialwissenschaften. Es gibt sowohl Unterschiede zwischen beiden Disziplinen als auch intradisziplinäre Unterschiede, d. h. Unterschiede zwischen einzelnen Fächern dieser Disziplinen, auf die an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden kann. Ganz allgemein wird den Digital Humanities eine hohe Open Access-Affinität nachgesagt und die methodisch zwischen Geistes- und Naturwissenschaften stehenden Sozialwissenschaften mit ihrer aus beiden Richtungen geprägten Publikationskultur scheinen insgesamt etwas OA-affiner zu sein.

In den Geistes- und Sozialwissenschaften finden wir eine ausgeprägte Open-Access-Theorie- und Praxisschere: viele Wissenschaftler*innen finden Open Access im Prinzip gut, nicht zuletzt weil sie vom besseren Zugang profitieren, aber zögern (noch) es in der Praxis umzusetzen. Bei dieser positiven Grundeinstellung zu Open Access gilt es anzusetzen, insbesondere in den Bereichen:

  1. Entwicklung zeitgemäßer Anreizsysteme,
  2. Förderung von längerfristigen Lernprozessen durch Best-Practice-Beispiele und
  3. Verstärkter Nachdruck auf Data Literacy und Informationskompetenz bereits in der Lehre, denn Open Access und die FAIR-Prinzipien sind “gekommen um zu bleiben” als Teil der Leitlinien zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis (DFG-Kodex GWP 2019).

Die noch geringe Durchdringung der Geistes- und Sozialwissenschaften durch die Open-Access-Transformation bietet aber auch Chancen, z. B. zur Entwicklung fairer Modelle für den Nachweis, d. h. umfassender und unabhängiger Findewerkzeuge, die wiederum impulsgebend für andere momentan stark “kommerzialisierte” Disziplinen sein können, sowie alternativer Open-Access-Geschäftsmodelle.

Sandipoutsider, Open wing posture basking of Danaus melanippus Cramer, 1777 – White Tiger (Male) WLB DSC 2695, CC BY-SA 4.0

Hier sind natürlich nicht nur wissenschaftliche Bibliotheken gefragt, aber ihre besondere Stellung im Wissenschaftssystem bietet ihnen die Chance weitere Entwicklungen federführend zu prägen u. a.:

  • durch die nutzergetriebene Entwicklung von disziplin- und fachspezifischen Open Access-Publikationsdienstleistungen und -infrastrukturen (Repositorien, konsortiale Verlagsmodelle wie OLH, Open Knowledge Maps)
  • flankierende Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen (z. B. open-access.net, forschungsdaten.info)
  • aber auch als Datengeber durch die Bereitstellung von (Meta-)Daten (aus Digitalen Sammlungen etc.) unter offenen Lizenzen, offenen Schnittstellen und offenen Formaten. Hierdurch leben sie vor, was von Wissenschaftler*innen gefordert wird und ermöglichen maßgeblich die Öffnung der Forschung.

Ich freue mich über Kommentare und Anmerkungen, über Twitter, Kommentare unten und natürlich persönlich!

Weiterführende Ressourcen (alphabetisch):

Biesenbender, Kristin / Ralf Flohr / Monika Linne / Olaf Siegert, ‘Open-Access-Tage 2018 – Teil II: Wie entwickelt sich Open Access in einzelnen Fächern und Projekten?’, Blogpost, ZBW Mediatalk

Graf, Dorothee / Veronika Burovikhina / Natalie Leinweber, ‘Zukunftsmodell Monografien im Open Access: Aus der Praxis von Bibliotheken, Verlagen, Wissenschaft und Lehre im gemeinsamen Projekt OGeSoMo’, in: o-Bib 6 (2019):4

Kleineberg, Michael / Ben Kaden, ‘Open Humanities? ExpertInnenmeinungen über Open Access in den Geisteswissenschaften’. in: LIBREAS. Library Ideas 32 (2017).

Söllner, Konstanze / Mittermaier, Bernhard (Hg.) (2017). Praxishandbuch Open Access (De Gruyter Praxishandbuch), De Gruyter Saur (Open Access): u. a. die Kapitel zu Open Access in den Geisteswissenschaften, Open Access in den Sozialwissenschaften, zur Rolle von Bibliotheken, Data Publishing etc.)

Tóth-Czifra, Erzsébet: ‘Open Access in the Arts, Humanities, and Social Sciences’. Short video with links to resources

Tóth-Czifra, Erzsébet / Wuttke, Ulrike (2019): ‘Loners, Pathfinders, or Explorers? How are the Humanities Progressing in Open Science?’. Blogpost from Open Science Barcamp 2019 auf GenR

Wer wird Millionär? Mittelalterrezeption in Quizfragen

Christian Schwaderer und Ulrike Wuttke

Cite as: Christian Schwaderer & Ulrike Wuttke, Wer wird Millionär? Mittelalterrezeption in Quizfragen, Blogpost, 03.09.2019, CC-BY 4.0. Link: https://ulrikewuttke.wordpress.com/2019/09/03/wer-wird-millionar

“Wer wird Millionär?” befindet sich fest in mediävistischer Hand. So souverän wie der Mittelalterhistoriker Eckhard Freise, der am 2. Dezember 2000 zum allerersten Mal die Millionenfrage knacken konnte, gewann selten ein Kandidat in der populären Quizshow, die vom großartigen Günther Jauch, seiner schlagfertigen Interaktion mit den Kandidat*innen und natürlich den immer wieder aufs Neue unterhaltsamen Fragen (und Antworten!) des WWM-Redaktionsteams lebt (mehr zur Sendung auf Wikipedia).

Heute wird “Wer wird Millionär” 20 Jahre alt. Höchste Zeit also, für eine kleine Jubiläums-Plauderei eine kleine, aber fein und lange gepflegte Sammlung von WWM-Mittelalter-Fragen aus den Jahren 2010 bis 2015 auszugraben und endlich eine längst überfällige Frage zu beantworten: Wie wird das Mittelalter bei “Wer wird Millionär” dargestellt?

Abbildung adaptiert von Christian Schwaderer auf Basis von “Miniature of Gawain in a green robe seated before master Blaise, who is holding a knife and quill, writing down his adventures as he is telling them”. Photo courtesy British Library (BLMedieval Additional 10292 f. 137) Image source British Library.

Das “finstere Mittelalter”

Das Mittelalter hat einen schlechten Ruf. Seit dem es die Humanisten in der Renaissance schlecht gemacht haben, um selbst besser dazustehen, steht fest: Das Mittelalter war eine dunkle Zeit. Man glaubte, dass die Erde eine Scheibe sei, schlug ständig aufeinander ein und war ziemlich ungebildet. 

Das Klischee des finsteren Mittelalters hat sich seitdem in den Köpfen der Menschen festgesetzt und wird noch heute immer wieder gerne bedient. WWM macht hier keine Ausnahme. (Siehe hier für eine “Gegendarstellung”.)

Beginnen wir mit einer Frage, die das “finstere Mittelalter” selbst anspricht:

Screenshot: WWM-Frage vom 26.09.2011 für 500 EU: Womit musste ein Übeltäter im finsteren Mittelalter unter Umständen rechnen? A: einsaddieren, B: zweiabziehen, C: dreimalnehmen, D: vierteilen.

Eine ähnliche schöne Mischung aus Wortspiel und Gewalt stellt diese Frage dar:

Screenshot: WWM-Frage vom 20.02.2012 für 300 EU: Womit schlugen rauflustige Gesellen im Mittelalter aufeinander ein? A: Hannawald, B: Ammann, C: Morgenstern, D: Schlierenzauer

Zu bemerken ist in diesem Zusammenhang, wie hier versucht wird, altertümlich oder gar vermeintlich mittelalterlich zu formulieren: “Übeltäter” und “rauflustige Gesellen”.

Nur ein klein wenig differenzierter gibt sich diese Frage:

Screenshot: WWM-Frage vom 23.04.2010 für 2 000 EU: Wer war im späten Mittelalter ziemlich berüchtigt? A: Valbanienväter, B: Vungarnschwäger, C: Vösterreichonkels, D: Vitalienbrüder

Wenn außerhalb der Wissenschaft “Das Mittelalter” nur nebenbei erwähnt wird, wird sehr selten zwischen dessen früheren und späteren Abschnitten unterschieden. Dagegen wird hier mit der Präzisierung vom “späten” Mittelalter nicht nur der Tatsache Rechnung getragen, dass die gesuchte Räuberbande nicht über 1000 Jahre aktiv war, sondern vielleicht gar bedacht, dass in anderen mittelalterlichen Phasen die Bedingungen ganz andere waren.

Die letzte Frage unser Kategorie “finsteres Mittelalter” bringt zusätzlich ein skandalöses Element mit ein:

Screenshot: WWM-Frage vom 18.11.2010 für 8 000 EU: Der Vater des im sechsten Jahrhundert lebenden Papstes Silverius …? A: baute den Kölner Dom, B: kannte Jesus persönlich, C: war selbst einmal Papst, D: hieß Karl-Heinz

“Ein Papst, der einen Sohn hat! Unerhört! So etwas kann es nur im düstersten Mittelalter gegeben haben!”, mag der Zuschauer denken.

Es ist nicht in allen Fällen eindeutig, ob die WWM-Redaktion das Klischee vom “finsteren Mittelalter” unabsichtlich reproduziert oder willentlich mit ihm spielt. Wenn es schon direkt in der Frage heißt “im finsteren Mittelalter”, es um brutale Hinrichtungen geht und auf die angeblich allgegenwärtigen Gewaltbereitschaft, ist jedoch ersteres zu unterstellen. Zumal in unserer kleinen Sammlung nirgendwo ein echtes Gegenbeispiel zu finden ist: Nirgendwo findet sich eine Frage-Antwort-Paarung, die mit der populären negativen Erwartungshaltung zum Mittelalter bewusst bricht.

Tatsächlich jedoch ist der Vorgang weniger skandalös, als es zunächst den Anschein haben mag. Gerade in der frühen Zeit der Kirche waren spätere Bekehrungen zu einem kirchlichen Amt nicht unüblich. Zudem scheint Silverius’ Vater Homisdas ein relativ unbescholtener Inhaber des Heiligen Stuhls gewesen zu sein, der noch dazu recht lange im Amt war, ganz im Gegensatz zu seinem Sohn.

Steckenpferde

Unsere geneigte Leserschaft wird sicherlich verzeihen, dass bei folgender Frage die gegebene Antwort bereits markiert und so der Mitratespaß etwas getrübt ist:

Screenshot: WWM-Frage vom 12.04.2010 für 300 EU: Als Heinrich der Vierte den berühmten Gang nach Canossa antrat, war sein Gegenspieler Papst …? A: Paul der Reinigte, B: Clemens der Klärte, C: Leo der Filterte, D: Gregor der Siebte

Entscheidend sind hier jedoch nicht so sehr die Antwortoptionen (auch wenn wir die Kreativleistung der Fragenredaktion keinesfalls in Abrede stellen wollen), sondern der Inhalt der Frage: der Gang nach Canossa.

Nach jenem berühmten Treffen von Papst und König wurde auch ganz klassisch gefragt. Hierzu gibt es in der “Sammlung Schwaderer” leider keinen Screenshot, daher sei eine Frage, die ca. 16 000 Euro wert war, aus dem Kopf zitiert:

Der Gang nach Canossa war eine direkte Folge des…

  1. Trojanischen Kriegs
  2. Investiturstreits
  3. Wiener Kongresses
  4. Boxeraufstands

Es nicht der richtige Ort, die Frage fachwissenschaftlich zu erörtern. (Es sei daher dahingestellt, ob man der Redaktion hier vorwerfen kann, Rudolf Schieffers berühmte Habilitationsschrift nicht rezipiert zu haben, wonach der “Investiturstreit” erst nach dem Gang nach Canossa seine volle Wucht auf die Bühne des Weltgeschehens entfaltete.)

Entscheidend ist vielmehr, dass – selbst in einer so kleinen Stichprobe – das Reizwort “Canossa” so oft auftaucht – etwa als falsche Antwortmöglichkeit abseits von Mittelalterfragen. Dazu diese zwei Beispiele:

Screenshot: WWM-Frage vom 22.10.2012 für 500 EU: Wer sich vor Gericht durch alle Instanzen klagen will, droht: “Ich gehe …!”? A: über die Wupper, B: nach Canossa, C: auf dem Jakobsweg, D: bis nach Karlsruhe

Nun hat man generell den Eindruck, dass bei WWM gewisse Themen immer wieder auftauchen. Man könnte fast meinen, dass die Mitglieder der Redaktion ihre Steckenpferde haben, die sie immer wieder reiten. 

Und doch scheint etwas mehr dahinter zu stecken.

Offensichtlich sehen die Fragesteller*innen “Canossa” als ein Schlagwort, das Assoziationen weckt. Die Redaktion scheint davon auszugehen, dass potenziellen Kandidat*innen vom “Gang nach Canossa” schon einmal gehört haben, diesen aber nicht unbedingt genau zuordnen können. Vielleicht verspüren die Damen und Herren gar diebische Freude beim Versuch, die Kandidat*innen mit dem sperrig-vagen Canossa-Reizwort aufs Glatteis zu führen. Das jedenfalls erscheint wahrscheinlicher als eine “Canossa-Obsession”, wie man sie vielleicht einem Bismarck (“nach Canossa gehen wir nicht”) unterstellen darf.

Etwas weniger deutlicher, aber doch einer Erwähnung wert ist die Sache mit den Karolingern, genauer genau sagt: einem bestimmten Karolinger. Tief aus der Wortspielkiste hat sich diese Frage ans Tageslicht geschlichen:

Screenshot: WWM-Frage vom 02.02.2015 für 100 EU: Wenn Karl der Große lustige Geschichten zum Besten gab, dann erzählte der …? A: Brech Bohnen, B: Mohr Rüben, C: Kicher Erbsen, D: Kaiser Schoten

Man wüsste zu gerne, warum die Wahl gerade auf Karl den Großen fiel. Der Frage als solche hätte jeder Träger des Titels (nicht nur im Mittelalter) genüge getan. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass die Redaktion bewusst einen Herrscher ausgewählt hat, von dem es heißt, dass er sich – modern gesprochen – selbst gerne reden hörte. Möglicherweise hatten die Redakteur*innen folgende Worte Einhards über Karl den Großen im Ohr: “Dabei war er so redegewandt, dass er fast geschwätzig erschien” (Vita Karoli, cap. 25).

Eine weitere Karl-Frage aus unserem Bestand weist jedoch eher in die Richtung “Steckenpferd”:

Screenshot: WWM-Frage vom 23.05.2013 für 32 000 EU: Wessen Vater war Pippin der Kleine? A: Karl der Große, B: August der Starke, C: Philipp der Schöne, D: Heinrich der Löwe

Natürlich ist der Beiname “der Kleine” ein gewisses Kuriosum und Pippin kennt man aus der Herr der Ringe, aber der Verdacht liegt nahe, dass hier jemand ausgehend von Karl dem Großen nach passenden Fragen gesucht hat.

Überspitzt gesagt: Wenn nach einem mittelalterlichen Herrscher gefragt wird, dann nach Karl dem Großen.

Zwischen Funfact und klassischem Bildungsgut

Eine weitere Kategorie bilden Fragen, in deren Mittelpunkt mehr oder weniger bekannte geschichtliche Ereignisse und Personen stehen. Auch hier stehen Themen, die etwas mit dem heutigen Deutschland zu tun haben, hoch im Kurs, aber auch “internationalere” Wissensstrukturen kommen vor. 

Die Fragen dieser Kategorie sind weniger von Klamauk geprägt und setzen oftmals eine fundierte Allgemeinbildung voraus. Hier freut sich der versierte Zuschauer meist diebisch, wenn er die richtige Antwort weiß (hé!) bzw. es kommt zu einem kathartischen Aha-Effekt. 

Einige dieser Fragen zählen mehr zur Kategorie “Dinge, die man nicht unbedingt wissen muss, aber auf einer Party gut ankommen, um Eindruck zu machen”. So würden wir vermuten, dass Behaim, der Erfinder des Erdglobus, den Meisten nur aus dem allgegenwärtigen Straßennamen bekannt ist (z. B. Behaimstraße in Berlin-Charlottenburg oder Berlin-Weißensee), ohne dass sie sich seiner bahnbrechenden Erfindung bewusst sind.

Screenshot: WWM-Frage vom 17.11.2011 für 1 000 000 EU: Dem Nürnberger Martin Behaim verdanken wir den ältesten erhaltenen …? A: Zirkel, B: Rechenschieber, C: Erdglobus, D: Magnetkompass

Die folgende Frage funktioniert nach dem Schema “berühmte erste Sätze (Buchanfänge)”, ein nicht nur bei Mediävisten beliebtes Thema (hier eine englischsprachige Sammlung).

Screenshot: WWM-Frage vom 11.10.2013 für 16 000 EU: Was beginnt mit “Uns ist in alten maeren wunders vil geseit, von helden lobebaeren, von grôzer arebeit”? A: Der Struwwelpeter, B: Der Mond ist aufgegangen, C: Der Herr der Ringe, D: Nibelungenlied

Gut möglich, dass wir es hier statt mit Mittelalterrezeption mit Mittelalterforscherrezeption zu tun haben. Schließlich ist nicht abzustreiten, dass sich wohl jeder an einen bestimmten Typus Wissenschaftler*in erinnern kann, der oder die sich (ungefragt) ständig mit dem Wissen um erste Sätze brüstet (für Anglisten sicherlich klassisch “Hwæt! Wé Gárdena in géardagum odcyninga þrym gefrúnon”, Anfang des Beowulf). Da diese sogenannten Inzipits besonders im Mittelalter das wichtige Unterscheidungsmerkmal von Texten waren (Titelblätter waren noch nicht erfunden), sei diese kleine Marotte vergeben. Wer im Zeitalter der Titelbilder geboren ist und daher den Anfang des Nibelungenliedes nicht auswendig kennt, müsste sich in diesem Fall erschließen, dass es sich um eine alte Form des Deutschen handelt, und die anderen Texte nach dem Ausschlussverfahren eliminieren.

Relativ fundiertes historisches Wissen setzt diese folgende Frage voraus, dessen Grundthema wohl “Starke Frauen” sind.

Screenshot: WWM-Frage vom 13.01.2012 für 32 000 EU Wessen 600. Geburtstag wurde am 6. Januar gefeiert? A: Jeanne d’Arc, B: Nofretete, C: Lucrezia Borgia, D: Maria Theresia

Nofrete und Maria Theresia scheiden relativ schnell aus, die anderen beiden Protagonistinnen, Jeanne d’Arc und Lucrezia Borgia, liegen jedoch historisch sehr dicht beieinander. Wir wollen jetzt nicht kritisieren, dass die richtige Antwort weniger eindeutig ist, als sie erscheinen mag, da zwar das Geburtsjahr relativ gut belegbar ist, aber der genaue Tag wohl für immer in den Nebeln der Geschichte verbleiben wird, wie übrigens bei vielen mittelalterlichen Persönlichkeiten, da nur in den wenigsten Fällen genau “Buch geführt” wurde (übrigens in vielen Gegenden noch lange bis in die Gegenwart hinein). Aber recherchieren Sie einmal selbst!

Nicht weniger knifflig ist auch die folgende Frage:

Screenshot: WWM-Frage vom 27.04.2012 für 64 000 EU: Welche Insel wurde wahrscheinlich erst vor knapp 750 Jahren von Menschen besiedelt? A: Island, B: Jamaika, C: Kreta, D: Neuseeland

Relativ überraschend ist die Antwort und wir wollen an dieser Stelle nur soviel verraten, dass die Protagonisten dieser Besiedlung lange Zeit nicht gebührend geschätzt wurden.

Schlussendlich kann nach klassischem Bildungsgut auch in (durchaus gelungenen) Wortspielen gefragt werden:

Screenshot: WWM-Frage vom 17.01.2011 für 500 EU: Welche historisch bedeutende Persönlichkeit starb 1468 in Mainz? A: Westawelle, B: Tritthin, C: Wullf, D: Gutenberg

Das Aufgreifen von Namen deutscher Politiker aus dem frühen 21. Jahrhundert, mithin die Verbindung zum Heute, ist hier rein spielerischer Natur. Das ist in unserer letzten Kategorie ein wenig anders.

Das Früher und das Heute

Nicht weit vom Funfact, aber um eine entscheidende Nuance reicher präsentiert sich diese Frage:

Screenshot: WWM-Frage vom 09.05.2011 für 32 000 EU: Der im 6. Jh. wirkende Mönch Dionysius Exiguus hat maßgeblichen Anteil daran, dass wir heute …? A: in Deutschland leben, B: im Jahr 2011 leben, C: in einer Demokratie leben, D: in Saus und Braus leben

Gefragt wird hier nach der Lebensleistung eines weithin unbekannten Menschen und die Antwortoptionen sind ein buntes Allerlei – doch ihnen ist eines gemeinsam: Sie beziehen sich alle auf aktuelle Zustände. Das entscheidende Wörtchen in der Frage lautet “heute”. Geschichte gibt es nur in der Gegenwart – das gilt auch für Geschichtsfragen in der Quizshow.

Neben Fragen zu solchen Einzelphänomenen erfreuen sich Völker und Regionen großer Beliebtheit, wenn es um die Erklärung des Heute durch die Geschichte geht. Gerne zielen Fragen hier auf (echte oder falsche) Etymologien ab. Ein schönes Beispiel stellt diese – durchaus lösbare – Frage für 4000 Euro dar:

Screenshot: WWM-Frage vom 24.02.2011 für 4 000 EU: Welche Region verdankt ihren Namen der Besiedlung durch die Wikinger vor über 1.000 Jahren? A: Normandie, B: Transsilvanien, C: Toskana, D: Andalusien

Von “Wikingern” zu “Normannen” zur “Normandie”. Die Show verlangt hier ein wenig Gedankenleistung, zeigt aber vor allem auf, dass Namen von Regionen nicht zufällig mit einem Passwortgenerator zusammengewürfelte Buchstabenfolgen sind (obwohl sie einem manchmal so erscheinen), sondern dann und wann durchaus einen Sinn haben – und sich dieser Sinn erschließen lässt, wenn man über ein wenig historisches Verständnis verfügt. Ob man den Quizmacher*innen an dieser Stelle nun pädagogischen Impetus (oder gar das geflissentliche Befolgen eines medialen Bildungsauftrags) unterstellen sollte, wollen wir wieder einmal dahingestellt sein lassen.

Für 125 000 Euro muss sich die Kandidatin hingegen auf weitaus schwierigeres Transferleistungsterrain begeben – als Ausgleich für die zu erwartenden geistigen Mühen bekommt sie die Antwortmöglichkeiten jedoch als allseits beliebtes Wortspiel präsentiert:

Screenshot: WWM-Frage vom 16.11.2012 für 125 000 EU: Wobei handelt es sich um einen germanischen Volksstamm, der im heutigen Hessen lebte? A: Simsen, B: Mailen, C: Chatten, D: Posten

Es wäre sicherlich überinterpretiert, wenn man nun behaupten würde, hier ein besonders gelungenes Beispiel für die Tatsache vor sich zu haben, dass sich moderne Technik und Geschichte nicht ausschließen, sozusagen eine Synthese von Social-Media des 21. Jahrhunderts und europäischer Frühgeschichte.

Kehren wir zurück zu den Etymologien. Es folgt ein Beispiel für eine zumindest fragwürdige Herleitung:

Screenshot: WWM-Frage vom 15.10.2012 für 64 000 EU: Zentrum des Reichs, das der Hunnenkönig Attila im 5. Jh. errichtete, war das heutige …? A: Thüringen, B: Anatolien, C: Lappland, D: Ungarn

Für unseren Punkt ist die Frage, ob Ungarn und Hunnen nun tatsächlich sprachlich zusammenhängen oder nicht, gar nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass die Quizmacher*innen auf solch eine Herleitung abzielen: Das heutige Ungarn heißt Ungarn, weil im 5. Jahrhundert dort die Hunnen herrschten.

Solch eine Erklärung der Gegenwart mit der Geschichte muss in Quizfragen jedoch nicht immer platt sein. Sie kann durchaus auch indirekt funktionieren, wie wir sehr schön an dieser Frage sehen:

Screenshot: WWM-Frage vom 28.10.2011 für 64 000 EU: Wer lebte vor rund 1.000 Jahren zwischen Elbe und Weser? A: Nordpreußen, B: Ostfalen, C: Südgoten, D: Westbajuwaren

Hier ist die Transferleistung weniger bei der Kandidatin als viel mehr beim Zuschauer gefragt. Er muss sich die Relevanz der Frage für sein Weltverständnis indirekt erschließen: Das “West” in “Westfalen” wird klarer, wenn man weiß, dass es dereinst auch “Ostfalen” gab.

In gewisser Weise rechtfertigt sich die Quiz-Frage selbst. Unterhaltung braucht Relevanz, eine gute Frage zeichnet sich nicht zuletzt durch ihre Anschlussfähigkeit an die Erfahrungswelt der Zuschauer*innen aus. Oder anders gesagt: Man will beim Betrachter ein wütend-schnaubendes “Das weiß doch keiner!” vermeiden und stattdessen ein wohlwollendes “Ach, daher kommt das!” evozieren.

Fazit

Wenig überrascht, was sich in unserem kleinen Sample nicht findet: Kontroversen, Zweifelsfälle, Trends und Theorien der Forschung interessieren nicht. Gefragt wird nach (vermeintlich) harten Fakten.

Fassen wir das, was die Mittelalter-Frage bei “Wer wird Millionär” prägt, überspitzt zusammen, kann man sagen: Der Zuschauer darf weiter an das “finstere Mittelalter” glauben, soll aber gleichzeitig erkennen, dass ihm ein bisschen Mittelalterwissen für Partygespräche und Weltverständnis nützlich sein kann.

Und was würde das Mittelalter dazu sagen? Ungefragt zum Quizfragen-Objekt geworden zu sein dürfte der Epoche womöglich genauso wenig gefallen wie zum Quizfragen-Objekt-Analyse-Blogpost-Gegenstand aufgestiegen zu sein. Zumal wir nicht einmal wissen, ob Quizze auch schon im Mittelalter populär waren. Populär waren jedoch auf jeden Fall Frage-und Antwortbüchlein. (Einen kleinen Einblick in die mittelniederländische Version eines der populärsten Vertreter, nämlich des Livre de Sydrac,  bietet diese archivierte Webseite.) In diesen Texten ging es darum, dass einem Unwissenden von einer Autorität im Frage-Antwort-Wechsel die Welt erklärt wird – und das ist gar nicht weit weg von “Wer wird Millionär” und Günther Jauch.